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Political aesthetic of contemporary European horror film

Politische Ästhetik gegenwärtigen europäischen Horrorfilms

Head of project: Drehli Robnik (LBIGG)
Sponsor: FWF, P 24474
Running time: 2012–2015

Dieses Projekt untersucht die politische Ästhetik des gegenwärtigen europäischen Horrorfilms. Dabei soll Filmtheorie (beeinfllusst von Autorinnen wie Siegfried Kracauer, Gilles Deleuze, Heide Schlüpmann, Thomas Elsaesser, die alle auf ihre Art Kino als öffentliche Form affektiver Erfahrung in verzeitlichten Bildern konzipieren) kombiniert werden mit politischer Theorie in post-fundamentalistischer und radikaldemokratischer Orientierung (wie sie, zumal mit Perspektiven auch auf Ästhetik und auf Kino, Jacques Rancière vorschlägt).
Ausgangsannahme A) Sucht man heute nach intellektuell anspruchsvollen und ästhetisch herausfordernden Bildern von Politik - von flexibler Gouvernementalität, von Post-Demokratie, von Sicherheitsregimes, rassistischen/fundamentalistischen Ideologien und deren Eingriffen in Bürgerrechte, aber auch von Akten widerständiger Ermächtigung -, so stößt man auf Horrorfilme. - Ausgangsannahme B) Viele der Qualitäten, die Kino zu einem "Einsichts-Zusammenhang" machen (Erfahrung der sozialen Welt, die sich auf kritisches Wahrnehmen und Denken hin öffnet), haben einen privilegierten Ort im Horrorfilm: in einer Art von Kino also, die Ängste, Bedrohungsbilder, Empfindungen des Unheimlichen, aber auch deren Re-Visionen "bespielt". Daher kann Horrorfilm, mehr als andere affektive Register des Films, gegenwärtige politische Entwicklungen versinnlichen; denn auch in diesen ist das Management von Ängsten, Bedrohungen, Unsicherheit, aber auch der Gewalt von Aufstand und "Wut" sehr bedeutsam. Konzeptuell geht das Projekt von den Chiffren "prekäre Gemeinschaften" und "Affekt" (in nicht-sensualistischem deleuzeschen Gebrauch) aus, die ein breites Sinnspektrum eröffnen Zum (vorläufigen) zu untersuchenden Filmkorpus: ca. 10 Horrorfilme jeweils aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Spanien, dazu einige osteuropäische und skandinavische Filme, entstanden zur und seit der Jahrtausendwende. Filme, die zu rezenten Zyklen an Slasher, Backwood und Survival Horror, Folter-, Mindgame- und Spukfilmen zählen. Der Untersuchungsfokus ist über 4 Perspektiven strukturiert - in Hinblick darauf, wie Horrorfilme Öffentlichkeiten Politik als bildförmige Erfahrung anbieten: 1) fundamentalistische Apokalyptik beschwört die erschütternde Evidenz von "bloßem Leben im Ausnahmezustand" und von der Rache verkannter Primärkräfte an entfremdeten Bourgeois (28 Days LaterCreepAntichrist); 2) Mindgame- und andere Filme, die das Freud'sche Unheimliche inszenieren: Unsi-cherheit angesichts von Alltagsszenarien, und das Gefühl, Wahrgenommenes rückwirkend neu lesen zu müssen (z.B. HotelShaun of the DeadYellaThe Others); 3) Home Invasion- und Spukfilme, die ethische Ansprüche anderer und liberale Schuldgefühle als Heim-Suchung und veritablen "Ethi-Call" ausspielen (In 3 Tagen bist du totIls/ThemEl Orfanato, Haneke-Filme); 4) Filme, die das Sinnliche von Verortung und Zugehörigkeit durchkreuzen, bis hin zu Ideologie-kritik am Nationalen/Nativen (und neo-Orientalistischen): Hüter der GrenzeThe Descent, die tschechisch koproduzierten Hostel I und IIAttack the Block, Horrorfilme mit "untoten Nazis"...)